Vom Kochtopf zur Kamera

Ich bin Yves Seeholzer, Fotograf und Autor aus Luzern.

Früher stand ich in der Küche. Heute stehe ich hinter der Kamera. Ich kenne die Hitze am Herd, den Druck während des Service und das Tempo einer Küche.
Ich weiss, wie viel Handwerk, Hingabe und Präzision in einem einzigen Teller stecken können.

Heute suche ich nach etwas anderem. Mich interessieren keine perfekten Bilder. Mich interessieren echte Menschen, ehrliche Momente und Geschichten, die man nicht planen kann. Ich arbeite nicht nach Trends und selten nach einem festen Plan. Ich folge meiner Intuition. Denn die besten Bilder entstehen oft genau dann, wenn man aufhört, etwas erzwingen zu wollen.

Gitarre, Glas mit Getränk, Buch, und Tragetasche auf einem Holztablett am See, umgeben von Bäumen.

Mit Ende zwanzig führte ich mein eigenes Restaurant.

Ich kannte Verantwortung, Ehrgeiz und den Anspruch, jeden Tag zu liefern.

Dann veränderte sich alles. Ich erkrankte zweimal an Krebs. Ich verlor meine Mutter. Und mit ihr vieles, was ich bis dahin für selbstverständlich gehalten hatte.

Plötzlich ging es nicht mehr um Karriere. Es ging um eine viel einfachere Frage.

Wie möchte ich leben, solange ich leben darf?

Berglandschaft mit Bergen im Hintergrund und bunten Gebetsfahnen im Vordergrund
Ein lachender Mann in traditioneller hinduistischer Kleidung sitzt barfuß auf Steinstufen, trägt eine Orange-gesäumte Lendenschurz und eine Halskette, mit einer roten Markierung auf der Stirn.

Auf der Suche nach einer Antwort reiste ich nach Indien. Nicht aus Abenteuerlust, sondern weil ich Antworten suchte.

Ich verbrachte Zeit in Ashrams, bei Heilern und Menschen, die Stille nicht als Leere verstehen, sondern als einen Ort, an dem man sich selbst wieder begegnen kann.

Dort wurde mir klar, dass Heilung kein Ziel ist, das man irgendwann erreicht. Sie beginnt in dem Moment, in dem man aufhört, vor sich selbst davonzulaufen.

Ein buddhistischer Stupa in einer Berglandschaft mit Wolken im Himmel.
Ein Mann in orangefarbenem Gewand und Kopfbedeckung steht neben einem Ochsen, der einen Holz-Automobilwagen zieht, mit einem lachenden Fahrer im Inneren. Palmen und eine Mauer sind im Hintergrund sichtbar.

Heute erzähle ich von dem, was ich gesehen, verloren und wiedergefunden habe.

Nicht als Beobachter, sondern mittendrin.
Ich schreibe, weil Worte Zusammenhänge schaffen.
Ich fotografiere, weil Bilder oft ausdrücken, wofür Sprache nicht ausreicht.
Ich reise, weil ich unterwegs immer wieder Menschen begegne, die mich berühren und meinen Blick auf die Welt verändern.

Ich glaube, dass jede Begegnung eine Geschichte in sich trägt. Man muss nur bereit sein, zuzuhören.

Mann mit Baseballcap und Hawaii-Hemd steht vor einer Wand mit Straßenkunst, lächelt
Ich glaube nicht an perfekte Antworten.
Ich glaube an ehrliche Fragen. Und daran, dass echte Geschichten etwas in uns bewegen können.